RueBe

Rückbau von DK0-Deponien zur Herstellung hochwertiger Bauprodukte

Das Projekt „RueBe“ zielt darauf ab, deponierte mineralische Abfälle aus DK0-Deponien (> 15 Mrd. Tonnen) wieder in Baustoffkreisläufe zurückzuführen. Neben technischen Herausforderungen sollen insbesondere Lösungsansätze zum Überwinden rechtlicher bzw. regulatorischer Hürden erarbeitet werden. Das Projekt folgt dabei einem integralen Ansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette umfasst – von der Rohstoffgewinnung über die Aufbereitung bis zur industriellen Produktion klimafreundlicher Baustoffe.

DK0-Deponien als anthropogene Rohstofflager

Die Rückführung mineralischer Fraktionen aus DK0-Deponien in hochwertige Baustoffkreisläufe ist das übergeordnete Ziel von RueBe. In erster Linie stehen dabei technische Herausforderungen bei der Aufbereitung des deponierten Materials und dessen hochwertige Verwendung im Vordergrund. Ergänzend ist ein wichtiger Fokus auf die Identifikation rechtlicher und regulatorischer Hürden gelegt, mit dem Ziel Lösungsansätze für die perspektivische „barrierefreie“ Nutzung des Materials zu ermöglichen. Die Arbeiten des Vorhabens zielen darauf ab bestehende Deponien als Rohstofflager zu erschließen, bisherige Deponieflächen in hochwertige Nutzungen zu überführen, die Reichweite verfügbarer Deponien zu erhöhen, klimafreundliche Bindemittel (CO2-arme Zementalternativen) zu entwickeln und konkrete Anpassungsvorschläge an relevante Normen und Verordnungen zu formulieren. Für die erfolgreiche Umsetzung des Vorhabens werden praxistaugliche Verfahren weiterentwickelt, um eine bedarfsgerechte Aufbereitung des eingesetzten Materials zu ermöglichen und möglicherweise enthaltene Schadstoffe abzutrennen oder zu immobilisieren. Letztlich soll durch das Projekt eine wirtschaftlich tragfähige Verwertungsstrategie für DK0-Material entwickelt werden, die in Form von Demonstratoren praxisnah realisiert wird.

Ressourceneffiziente Wertschöpfung aus Abfall

Der innovative Charakter des Vorhabens liegt in der systematischen Anwendung des Landfill-Mining Ansatzes auf DK0-Deponien, der Aktivierung von Tonmineralen und der darauf basierenden Entwicklung klimafreundlicher Baustoffe. Durch die Berücksichtigung mehrerer sekundärer Rohstoffquellen (z.B. Bodenaushub, Eisenhüttenschlacken, Steinkohleflugaschen) können mehrere Entwicklungsansätze bzw. Anwendungsszenarien evaluiert werden. Basierend auf einer anwendungsspezifischen Umwelt- und Rechtsanalyse erfolgt die Produktentwicklung auf Laborebene bis hin zum vorindustriellen Maßstab. Ein Ansatz ist die Nutzung der beschriebenen Stoffströme zur Herstellung von Hintermauerziegeln. In Labor- und Technikumsversuchen soll deren Praxistauglichkeit geprüft und die Umweltverträglichkeit der Rezepturen gemäß EBV und MVV-TB bewertet werden. Ziel ist ein marktfähiger Baustoff, der die Anforderungen an gängige Einbauszenarien erfüllt und gegenüber herkömmlichen Bauprodukten eine verbesserte Ökobilanz aufweisen kann.

Interdisziplinäres Konsortium als Schlüssel des Erfolges

Erwartete Ergebnisse sind funktionsfähige Demonstratoren und Prototypen der Verwertungspfade, eine industrielle oder vorindustrielle Produktion des Materials, eine Begleitdokumentation sowie eine Ökobilanzierung (LCA) und rechtliche Bewertungen. Das interdisziplinäre Konsortium hat dabei Zugriff auf die Expertise der folgenden Verbundpartner: Fraunhofer IBP (Koordination & Bindemittelentwicklung), TU München (Entwicklung & Prüfung Flüssigböden), Universität Augsburg (Umweltanalytik & Ökobilanz), Geiger Gruppe (Aufbereitung & praxisnahe Anwendung), thyssenkrupp MillServices & Systems (Schlackenaufbereitung), Schlagmann (Ziegel- & keramische Bausteine), Geiger Schotterwerke (Rohstoffe). Der assoziierte Partner Dyckerhoff bringt besondere Kompetenz im Bereich Bindemittel ein. Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung ermöglicht als assoziierter Partner den nachhaltigen Wissenstransfer an relevante Akteure der Bauindustrie. Nutzer der Ergebnisse sind Deponiebetreiber, Hersteller von Bauprodukten, Normungsgremien, Politik sowie Wissenschaft und Öffentlichkeit. Durch das interdisziplinäre Konsortium wird eine Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette ermöglicht, die auf die Etablierung einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft abzielt.